Warum Gesäßimplantate so häufig korrigiert werden müssen
Wer den Mechanismus versteht, kann besser beurteilen, was sich beheben lässt und was nicht.
Die Lage. Das Implantat liegt im Musculus gluteus maximus oder darunter, in einer Region, die beim Sitzen das Körpergewicht trägt, beim Liegen zusammengedrückt wird und bei jedem Schritt von einem großen Muskel bewegt wird. Kein anderes ästhetisches Implantat sitzt unter solchen Bedingungen.
Der Schnitt. Er wird fast immer in der Pofalte gesetzt, der Furche zwischen den Gesäßhälften. Diese Stelle wird gewählt, weil die Narbe dort verborgen ist. Sie ist aber auch warm, feucht und nahe am Anus, sodass bakterielle Verunreinigungen und Wundheilungsstörungen hier wahrscheinlicher sind als an fast jeder anderen Operationsstelle.
Verlagerung und Drehung. Der Muskel zieht am Implantat, und die Implantattasche kann sich dehnen oder einreißen. Das Implantat kann dadurch nach unten, außen oder innen wandern oder sich drehen, wenn es nicht rund ist. Die Folge ist eine Asymmetrie.
Kapselfibrose. Die Kapsel, die der Körper um das Implantat bildet, zieht sich zusammen. Das Gesäß wird dadurch fest, verformt und mitunter schmerzhaft.
Serom. Eine Flüssigkeitsansammlung um das Implantat, die an dieser Stelle häufig auftritt, manchmal bestehen bleibt, manchmal punktiert werden muss und gelegentlich zur Entfernung des Implantats führt.
Infektion. Das Risiko ist höher als bei den meisten anderen Implantaten, unter anderem wegen der Lage des Schnitts. Ist ein Implantat erst einmal infiziert, muss es in der Regel entfernt werden; Antibiotika allein beseitigen eine Infektion um einen Fremdkörper selten.
Tastbarkeit und Sichtbarkeit. Besonders bei schlanken Patientinnen und Patienten, also genau der Gruppe, bei der Implantate gewählt werden, weil kein Fett für eine Eigenfetttransplantation vorhanden ist. Der Implantatrand kann tastbar und mitunter sichtbar sein, vor allem beim Sitzen oder Bücken.
Chronische Schmerzen. Sie entstehen durch die Kapsel, durch Druck auf das Implantat oder durch Reizung von Nerven in der Region, bei tieferer Lage auch des Ischiasnervs.
Wundprobleme und Durchbruch. Der Schnitt öffnet sich, manchmal erst Wochen oder Monate später, und gelegentlich liegt das Implantat dann frei. Für das Implantat ist das ein Notfall, auch wenn es für Sie selbst keiner ist.
Folgen des Sitzens und des Drucks. Jahrelanges Sitzen auf einem Implantat kann das darüberliegende Gewebe verdünnen.
Was das alles nicht bedeutet. Es heißt nicht, dass Ihre Operateurin oder Ihr Operateur unfähig war. Es handelt sich um die anerkannten Komplikationen einer anspruchsvollen Operation an einer schwierigen Stelle, und die veröffentlichten Revisions- und Entfernungsraten spiegeln das wider und kein individuelles Versagen. Wo sich darin eine Entscheidung zeigt, ist es meist die ursprüngliche Wahl eines Implantats bei einer Patientin oder einem Patienten, der mit einer Eigenfetttransplantation möglicherweise besser versorgt gewesen wäre.
Fragen Sie die Ärztin oder den Arzt, der die Korrektur vornimmt, welche dieser Ursachen bei Ihnen zutrifft und was die Bildgebung zeigt.



