Was das Hymen anatomisch tatsächlich ist
Die Anatomie ist die erste und wichtigste Richtigstellung, denn fast alles, was über das Hymen geglaubt wird, ist falsch.
Was es ist. Eine dünne Schleimhautfalte, die den Scheideneingang teilweise umgibt, ein Überbleibsel der Entwicklung. Sie ist kein Siegel und verschließt die Scheide nicht; Menstruationsblut tritt hindurch.
Wie stark es variiert. Enorm, und zwar von Geburt an. Hymen unterscheiden sich in Dicke, Elastizität, Größe und Form der Öffnung und in der Zahl der Öffnungen, und manche Menschen werden mit fast keinem Hymengewebe geboren. Andere haben ein dickes, elastisches Hymen, das auch durch wiederholten Geschlechtsverkehr unverändert bleibt.
Was es verändert. Geschlechtsverkehr kann es dehnen oder einreißen, muss es aber nicht. Das gilt ebenso für Tampons, Radfahren, Turnen, Reiten, Masturbation, ärztliche Untersuchungen und Geburten. Umgekehrt kann eine Frau, die viele Male Geschlechtsverkehr hatte, ein Hymen haben, das unversehrt aussieht, und eine Frau, die nie Geschlechtsverkehr hatte, kann nur sehr wenig Hymengewebe haben.
Was das bedeutet. Keine Untersuchung des Hymens kann feststellen, ob ein Mensch Geschlechtsverkehr hatte, und keine Untersuchung kann feststellen, dass er keinen hatte. Das ist keine Frage von Technik oder Fachkenntnis, sondern von Anatomie, und es ist der Grund, weshalb die Weltgesundheitsorganisation Jungfräulichkeitstests als wissenschaftlich unbegründet bezeichnet.
Blutung beim ersten Geschlechtsverkehr. Häufig, aber keineswegs allgemein; viele Frauen bluten nicht, und eine Blutung ist in keiner Richtung ein Beleg für irgendetwas.
Was die Rekonstruktion bewirkt. Bei der Hymenrekonstruktion wird verbliebenes Hymengewebe zusammengenäht oder, bei manchen Techniken, aus der Scheidenschleimhaut eine Membran gebildet, sodass Gewebe vorhanden ist, das bei einem späteren Geschlechtsverkehr einreißen und bluten kann. Sie stellt keinen ursprünglichen Zustand wieder her, denn es gibt keinen einheitlichen ursprünglichen Zustand, und sie schafft keinen Beleg für irgendetwas. Sie schafft Gewebe, das sich wie erwartet verhalten kann, aber nicht muss.
Wenn Ihnen jemand gesagt hat, eine Ärztin oder ein Arzt könne das überprüfen, irrt diese Person, und keine seriöse Ärztin und kein seriöser Arzt wird Ihnen etwas anderes sagen.
